Bergsehnsüchtig

Draußen unterwegs

Tag 7: Es ist leider schon wieder vorbei

Sterzing ist das Ziel des heutigen Tages und gleichzeitig ist es auch das Ziel unserer Alpenüberquerung. Dafür müssen wir von St. Anton in die nördlichste Stadt Südtirols wandern. Das Wetter ist uns nicht hold. Es regnet. Und das schon als wir früh die Augen aufmachen. Wir lassen uns deshalb Zeit beim Frühstück, packen in Ruhe unsere Rucksäcke. Dann wird uns suggeriert: Das Wetter wird besser. Denn als wir vor die Tür treten, ist es kurzzeitig trocken von oben. Für genau 100 Meter. Es fängt wieder an zu tröpfeln. Wir setzen die Kapuzen auf und gehen weiter.

Uns erwartet heute eine einfache, aber relativ lange Wanderung mit leider sehr viel Asphaltanteil. Zunächst geht es Richtung Kematen. Auf Nebenstraßen. Wir müssen dennoch stets aufpassen, dass wir alle Autos sehen und hören. So kommen wir Schritt für Schritt näher zur Alpinstadt Sterzing. Von der umliegenden Bergwelt bekommen wir bedauerlicherweise überhaupt nichts mit, denn die Wolken hängen tief. Nach etwas mehr als einer Stunde strammen Marschs – was will man auch sonst im Regen machen? – wandelt sich zumindest der Untergrund. Nicht mehr Asphalt, sondern Schotter, weicher Waldboden und Wiese bilden jetzt den Weg.

Wir passieren kleine Dörfer, Weiher und Bauernhöfe. Mal bellt ein Hund. Oder eine Katze kreuzt unseren Weg. Kühe kann man sehen, riechen, hören. Landleben. Vielleicht könnten wir es noch mehr genießen, wenn wir nicht wieder stellenweise auf oder an der Straße laufen müssten. Aufstiege auf Asphalt machen keinen Spaß! Und bleiben auch noch mehr in Erinnerung als die kurzen schönen Passagen durch dichten Wald. So ein Stück erleben wir zwischen Wöhr und Afens. Sogar das Rauschen des Pfitscher Bach hören wir hier.

Irgendwo dahinten muss Sterzing sein

Die Idylle bleibt aber nur kurz und wir befinden uns wieder auf Asphalt. Diesmal aber nicht lang. Wir laufen direkt in einen dichten Wald hinein. Unter trockenen Bedingungen wäre dieser Weg sehr einfach. So ist er matschig und teilweise schmierig. So geht es entspannt, leicht abschüssig dahin. Für die heutige Etappe das schönste Stück. Es ist einsam. ‘Normale’ Wanderer sehen wir gar nicht, was am Wetter liegen muss. Und nur vereinzelt treffen wir auf Alpenüberquerer. Wahrscheinlich haben da einige den Bus nach Sterzing genommen.

Den Wald verlassen wir auf Höhe Wiesen. Die Zivilisation hat uns nun endgültig wieder. Von Ferne hören wir Züge und Autos. Der Ort wird auf einem Spazierweg passiert und am Ende durchquert. Und dann kurz vor Sterzing müssen wir noch eine Anhöhe hinauf nach Flains. Es ist der einer der wenigen Momente der gesamten Alpenüberquerung an dem wir uns fragen: Warum tun wir uns das eigentlich an? Die Füße tun weh. Die Rucksäcke wiegen schwerer denn je. Und der Regen, der uns fast den ganzen Tag begleitet hat, drückt langsam durch (Info an mich: Bessere Regenjacke kaufen!).

Von Flains folgt der finale Abstieg. Nach wenigen Minuten stehen wir mitten in Sterzing. Auf dem Stadtplatz. Zur Rechten liegt die letzte Stempelstelle für unser Heft. Die Sonne kommt jetzt wieder raus. Das Leben pulsiert. Und wir? Wir sind angekommen! Glücklich! Zufrieden! Überwältigt! Aber auch traurig, dass unsere Überquerung vorüber ist. Eine Mischung ganz verschiedener Gefühle – die schönen sind aber definitiv in der Mehrzahl.

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