Bergsehnsüchtig

Draußen unterwegs

Chiemgau: Auf den Rauschberg bei Ruhpolding

Es ist kalt an diesem Morgen. Und nicht nur deshalb ist der Parkplatz der Rauschbergbahn recht spärlich gefüllt. Es ist Neujahr. Mittlerweile ist es eine Art Tradition am ersten Tag des neuen Jahres einen Berg zu besteigen. Dieses Mal soll es der Rauschberg sein. Er liegt fünf Kilometer Luftlinie südöstlich des Ortszentrums von Ruhpolding und deshalb normalerweise recht gut besucht. Vor uns liegen etwas mehr als 1.000 Höhenmeter, die sich auf knapp neun Kilometer Wegstrecke verteilen. Es scheint anstrengend zu werden. Aber am Ende wartet Kaiserschmarrn im Rauschberghaus.

Zunächst geht es ein kleines Stückchen hinab. Wir kreuzen den Salzalpensteig und laufen durch Bergwald. Schnee gibt es hier noch nicht. Der Boden knirscht dennoch, denn das einst feuchte Laub ist nun steif gefroren. Mit uns starten ein paar Wanderer, die aber nach dem ersten steilen Stück einen anderen Weg einschlagen. Ansonsten sind wir allein auf unserem Weg hoch zum Rauschberg. Technisch stellt er nicht vor große Herausforderungen, denn es ist eine Forststraße. Doch je höher wir kommen, desto mehr Schnee liegt und kaschiert die Straße. Gravierender Vorteil: Die umliegende Landschaft kann genossen werden. Eingeschneite Baumspitzen und Berggipfel umgeben uns. Die Sonne lugt über den Kamm vom Rauschberg, der als “mehrgipfeliger Gebirgsstock” beschrieben wird. Ein tolles Schauspiel.

Wo kommen auf einmal die Skifahrer her?

Wir laufen ein paar Kurven. Gewinnen dabei schnell an Höhe und auf einmal überrascht uns ein kratzendes Geräusch. Was ist das? Dann gesellen sich Stimmen dazu. Ein Hund schießt mit hängender Zunge um die Ecke. Intuitiv gehen wir an den Rand des Weges und kaum, dass wir dort zum Stehen kommen, schwingt an uns eine Gruppe Skifahrer vorbei. So schnell wie sie kamen, sind sie auch wieder verschwunden. Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Dieses Schauspiel wiederholt sich in den nächsten Stunden noch ein paar Mal. Aber weil jeder rücksichtsvoll miteinander umgeht, ist das kein Problem.

Trotz dieser kleinen Störungen kommen wir gut voran. Und haben uns bald eine Pause verdient. In einer Serpentine stehen einige Bänke. Aussichtsbänke, die ihren Zweck wirklich entsprechen, denn ihr Standort wurde so gewählt, dass sich ein umwerfender Blick ins Voralpenland eröffnet. Sogar der Chiemsee ist von hier auszumachen. Ein wunderbarer Platz. Also Tee und Proviant auspacken und genießen. Und das Beste: Die Sonne steht schon hoch genug, dass sie unsere Rücken wärmt.

Zweiseitiges Panorama

Nach unserer Pause geht es weiter bergan. Neben den erwähnte Skifahrern kommen uns nun auch die ersten Wanderer entgegen, die unseren Weg in entgegengesetzter Richtung gehen. Das ist etwas, das ich nie verstehen werde: Warum geht man freiwillig 1.000 Höhenmeter bergab. Wir stapfen auf jeden Fall weiter durch den höher werdenden Schnee. Der Weg wird kurzzeitig noch steiler aber auch schmaler. Dichte Baumreihen versperren den Blick zum Hinteren Rauschberg auf der rechten Seite. Dafür kreieren sie interessante Lichtspiele, wenn sich Sonnenstrahlen an ihnen brechen.

Aufstieg und Sonne von vorne lassen uns jetzt ganz schön ins Schwitzen kommen. Wegweiser zeigen zahlreiche Abzweigungen, die im Sommer gegangen werden können. Sie sind die Vorboten unseres Tagesziels. Denn wir erreichen die westlichen Ausläufer vom Rauschberg. Gleichzeitig eröffnet sich direkt vor uns ein ‘zweites’ umwerfendes Panorama. Blauer Himmel, Sonne, Schnee und zahlreiche Bergspitzen: was will man mehr?

Das nächste Stück wandern wir parallel zum Hinteren Rauschberg, der nun rechts von uns liegt. Je höher wir nun kommen, desto vielfältiger wird das Panorama voraus. Gleichzeitig wird es voller. Denn nicht nur die Bergbahn hat einige Wanderer hinauf befördert. Auch andere Aufstiegsmöglichkeiten als die unsere bescheren uns weitere Begleiter. Alle zusammen stapfen wir durch hohen Schnee und nutzen Skispuren, um nicht tiefer einzusinken. Leider macht die Sonne den Schnee hier oben etwas sulzig. So schön pulvrig wie im Schatten ist er nun nicht mehr. Das wird vor allem am letzten Anstieg zum Rauschberghaus zum Problem. Es ist schmierig und wir finden schwer Halt. Touristen mit ‘normalen’ Schuhen ergeht es aber noch schlechter.

Was uns fehlt, ist der Eintrag ins Gipfelbuch – wir lassen den Rauschberg und sein Gipfelkreuz aus. Denn es ist uns zu voll und auf dem weichen Untergrund wollen wir nicht mit Bahnfahrern um den Aufstieg ‘kämpfen’. Aber das braucht es auch nicht, denn auch so ist die Aussicht der Wahnsinn: Das Panorama ist atemberaubend. Dafür hat sich der Aufstieg gelohnt!

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