Bergsehnsüchtig

Draußen unterwegs

Touren am Fellhorn: Die lange und aussichtsreiche

Für diese Tour zum Gipfel des Fellhorn nimmt man sich am besten viel Zeit. Startet früh. Und erwartet den ganzen Tag schönes Wetter. Denn es wird lang dauern bis das Ziel erreicht ist. Und dazwischen erwandert man sich auf vielen Wegen eine wunderschöne, anstrengende Tour mit vielen Höhenpunkten und Höhenmetern. Sie startet in Oberstdorf. Da vom Kernort alle Wege gut ausgeschildert sind, ist es nur wichtig, den Freibergsee als erstes Etappenziel zu wählen. Dahin kommt man beispielsweise, wenn der Stillachdamm als Weg genutzt wird. Auch der direkte Weg durch die Weiden ist schön. Sogar der Weg über Moorweiher und Hofmannsruhe kann hier enden. Wir haben uns allerdings entschieden, den See via Höllwiesweg und Edmund-Probst-Weg zu erreichen. Die ersten Höhenmeter stehen da zwar schon an. Dafür entschädigt wunderschöner Wald für die Anstrengung.

Nach etwa 1,5 Stunden liegt dann der Freibergsee idyllisch vor uns. Die Skiflugschanze ragt aus dem Wald heraus und der Blick fällt unweigerlich auf die imposante Bergwelt dahinter. Doch fürs Staunen oder gar Baden ist auf dieser Tour nicht viel Zeit. Also: weiter geht’s. Der Pfad führt nun zur Berghütte Hochleite. Wem der normale Weg nicht genügt, läuft am See ein paar Meter weiter und steigt rechts über einen etwas versteckten, steilen Pfad auf. Bei der Hochleite ist es dann erst einmal wieder mit der Ruhe und Einsamkeit vorbei. Vom Wanderparkplatz im Teil kommen Wanderer und von der Bergstation Söllereckbahn wird zahlreich abgestiegen. Diese Richtung ist das Ziel.

Der Weg dahin ist breit, teilweise asphaltiert und führt in großen Schleifen durch ein Weidegebiet. Imposantes Bergpanorama begleitet dabei dauerhaft. Auch, wenn man zwischenzeitlich keine Augen dafür hat. Denn der Weg gestaltet sich nach einigen gemütlichen Metern anstrengend und konstant steil, aber unkompliziert. (Exkurs: Es gibt noch den alten Schmugglerweg. Leider oder zu Recht ist dieser gesperrt, denn er verläuft noch steiler und direkter durch den Wald. Der Name ist eben Programm. Einmal durfte ich ihn offiziell gehen…Bei der hohen Anzahl an Besuchern ist es besser so.)

Die ‘Kanzel’ mit großartiger Aussicht

Nachdem man sich etwa eine Stunde – gerechnet ab Hochleite hinauf gequält hat, entschädigt ein Aussichtspunkt, der diesen Namen verdient: die Kanzel. Vor dem Besucher liegt das gesamte Oberstorfer Tal mit seinen Bergen und den Eingang des Stillachtals an der Ostseite und dem Grünten geradeaus. Hier lohnt es kurz innezuhalten. Danach geht es weiter bergan. Durch Bergwald. Er gibt Schatten und Luft. Nach einer weiteren halben Stunde wird das Gelände kurzzeitig flacher. Das verwunschene Hühnermoos tut sich auf. Zeit, Luft zu holen und auf Holzbohlenwegen über das kleine Moor zu laufen.

Nun kann man entscheiden: weiter nach oben Richtung Fellhorn oder die Bahn nach unten nehmen oder nach Riezlern laufen. Denn oberhalb der Bergstation der Söllereckbahn führen diese Wege mit unserem Aufstiegsweg zusammen. Eine Kreuzung. Für uns geht es weiter nach oben – auf einem breiten, einfachen Weg und mit wunderschönem Panorama der Oberstdorfer Berge. Gelegentlich geben Bäume für kurze Zeit Schatten. Doch schon bald ist die Baumgrenze überschritten und der Weg verläuft von nun an ohne Schutz. Er führt als nächstes Zwischenziel zur Sölleralpe. Hier kann der müde Wanderer einkehren bevor es richtig aufwärts geht.

Der Weg verändert sich schlagartig, wenn man durch das Weidetor geht. Nicht mehr breit und unkompliziert ist er nun ein schmaler Pfad mit vielen ungleichen Stufen, der in zahlreichen Serpentinen gen Schlappoldeck führt. Dieses Stück ist der anstrengendste Teil dieser Tour. Bei Sonne sollte deshalb genug Flüssigkeit im Rucksack sein, denn der Schweiß rinnt. Doch auch hier Lohn der Anstrengungen: Ausblick, Ausblick, Ausblick.

Ist dieser Teil geschafft, wird es etwas leichter. Denn der Pfad biegt ein auf den Grat, der zum Fellhorn führt. Hier ist der Weg wieder breiter, leichter zu gehen und abwechslungsreicher. Man merkt aber schon die zurückgelegten Höhenmeter. Deshalb fallen die Stufen unmittelbar vor dem Schlappoldeck schwerer. Wenn das Eck erreicht ist, bietet sich eine ausgiebige Pause an. Zum Auffüllen den Reserven und zum Genießen des grandiosen Panoramas, das die gesamte Oberstdorfer Bergwelt und des benachbarten Kleinwalsertals bietet. Was will man mehr? Ruhe wäre schön, aber die ist hier nur begrenzt zu finden. Denn diese Stelle finden auch viele andere Wanderer schön. Also am besten unterhalb des Schlappoldecks rasten.

Gegen den Strom zum Fellhorn

Jetzt geht es zum letzten Teils der Tour: auf dem Grat zum Fellhorn. Von Anfang an ist der Gegenverkehr massiv. Denn die Mehrheit der Wanderer startet an Mittel- oder Bergstation der Fellhornbahn, um zum Schlappoldeck zu gelangen (die entsprechende Tour findet ihr hier). Das ändert aber nichts an dem abwechslungsreichen Pfad, der für einen Grat breit genug ist und dennoch auch fordernd ist. Zahlreiche Stufen beinhaltet und Konzentration fordert. Sogar (Draht-)Seile gibt es an manchen besonders steilen Stellen. Der vermeintlich leichte Weg überrascht so manchen Wanderer. Das erschwert das Laufen gegen den Strom.

Ist der Gipfel des Fellhorns erreicht, endet diese Tour. Nun kann man mit der Bahn abfahren. Wer jetzt aber immer noch Zeit, Luft und Kraft hat, wählt den Weg von hier aus in Richtung Fidererpass-Hütte und steigt über den Kühgund zur Talstation der Fellhornbahn ab. Auch die Querung zur Kanzelwandbahn oder der Abstieg zum Kleinwalsertal ist möglich.

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