Bergsehnsüchtig

Draußen unterwegs

Tag 5: Hoch hinaus zum Kitzbüheler Horn

Unsere gestrige Tour führte uns nach Kitzbühel, die heutige aus der Stadt heraus aufs Kitzbüheler Horn und weiter nach St. Johann in Tirol. Zunächst ‘flanieren’ wir in Regensachen durch das Zentrum in Richtung Hornbahn. Wir gehen lieber hoch- als abwärts und lassen deshalb die Transportmöglichkeit außer Acht. Da es zu Beginn auch nicht regnet, ist der Wunsch, die Bahn zu besteigen auch relativ gering. Aber vielleicht hätten wir sie doch besteigen sollen, denn kaum als wir die letzten Häuser hinter uns lassen, beginnt es zu regnen. Das ist zunächst kein Problem. Denn wir laufen anfänglich auf Asphalt und große Bäume mit dichtem Blätterdach halten das Wasser zumindest ein wenig ab.

Wenig später verlassen wir den Asphalt und biegen auf einen breiten Weg ein. Zunächst ist er relativ breit und geschottert und wird von Bergwald links und rechts gesäumt. In einigen Kehren geht es aufwärts. Der Weg wird enger und der Untergrund grober – also die Steine größer. Wir müssen schauen, wo wir die Füße hinsetzen, um nicht umzuknicken. Der Regen lässt zu Glück nach. Und kurz bevor wir die Mittelstation der Hornbahn erreichen, hört er ganz auf. Mit uns ist keine Menschenseele unterwegs. Es ist einsam. Die Aussicht auch nicht besonders abwechslungsreich. Aber so kann nicht viel vom anstrengenden Aufstieg ablenken. Nach etwa zwei Stunden Aufstieg nutzen wir die Mittelstation, um uns ein wenig ‘trocken zu legen’.

Kitzbüheler Horn? Das müsste dort oben sein

Nach der Pause treten wir wieder aus dem Gebäude der Bahn und lassen den Blick nach oben wandern. Wir würden gerne das Kitzbühler Horn erblicken. Zur Motivation sozusagen. Aber die Wolken wollen uns den Anblick nicht gönnen. Es ist grau dort oben. Immerhin können wir unten ein bisschen was sehen und nehmen die nächsten Aufstiegsmeter unter die Wanderstiefel.

Der Weg, anfänglich eher ein Steig führt gleich wieder in Wald hinein. Wenig verlassen wir aber dieses letzte Waldstück für heute und marschieren durch Weidegebiet. Der Weg hindurch ist nun eine Forststraße – unkompliziert, anfänglich geschottert und im späteren Verlauf asphaltiert. Im Hochsommer bei strahlendem Sonnenschein wird man auf diesem Abschnitt sicherlich ‘gegrillt’. In Anbetracht des eher sommeruntypischen feuchten Wetters zum Zeitpunkt unserer Wanderung spielt uns die Wegführung in die Karten und wir gewinnen an Höhe.

Die Wolkendecke reist auf

Etwa 1,5h sind wir seit der Mittelstation gelaufen und erreichen das Gebiet der Trattalm. Das Gelände wird flacher und weitläufiger. Saftige Wiesen und Weiden so weit das Auge reicht. Und ein Wunder geschieht auf dem plateauartigen Almgebiet: Die Wolkendecke wird dünner und gibt zum ersten Mal einen Blick auf das Kitzbüheler Horn mit seinem prägnanten Sendemast frei (einen vergleichbaren Mast habe ich bisher nur auf dem Grünten gesehen). Hoffnung keimt in uns auf, dass der Tag doch noch schöner werden könnte. Zunächst müssen aber noch ein Stück in Richtung Gipfel gehen und passieren als Erstes das Alpenhaus am Kitzbüheler Horn.

Von hier an merkt man, dass eine Bergbahn und eine Panormastraße hier rauf führen, denn es sind trotz des trüben Wetters merklich mehr Leute unterwegs als bisher. Bis zur Trattalm hatte uns nur ein Trailrunner überholt – entgegen kam uns niemand. Lauter ist es wegen diverser Motorradfahrer leider auch. So nah am Gipfel steigt auch wieder unsere Motivation. Unser Marschtempo steigt trotz des wieder steiler werdenden Weges. Wir wollen endlich oben ankommen.

Ein botanisches Kleinod

Nach den ersten Kehren wartet eine ganz besondere Überraschung, die wir überhaupt nicht erwartet hatten: der Alpenblumengarten. Wir verlassen also den Asphaltweg und gehen durch ein Tor in ein botanisches Kleinod. Unzählige Blumen und andere Pflanzen – regionale, europäische und auch welche aus dem Himalaya – werden präsentiert. Da nun auch noch die Sonne rauskommt, lassen wir uns ganz viel Zeit und schauen alles an. Der Weg ist auch noch eine gelungene Abwechslung: Steige und Holzstufen – an Felsen entlang, feiner Schotter. So macht Wandern und Bildung Spaß.

Nach dem Verlassen des Blumengartens haben wir den Gipfel vor Augen. Doch wir biegen vorher noch einmal ab und schauen uns Kitzbühel von oben und das Kitzbüheler Horn von hinten an. Ein Aussichtspunkt mit dem einem Kreuz zum Jubiläum “50 Jahre Schützenbattalion Winterseller” bietet beste Sicht. Aussicht auf den geplanten Abstiegsweg gibt es hier auch. Mit ein bisschen Verspätung erreichen wir dann kurz nach 13 Uhr das Kitzbüheler Horn und kehren im Restaurant Gipfelhaus ein.

Murmeltiere – aber die Zeit drängt

Bei einem wunderbaren Germknödel merken wir, dass die Harschbichlbahn nur bis 16 Uhr fährt. Sie verbindet die Bergstation unterhalb vom Kitzbüheler Horn mit St. Johann. Diese Bahn wollen wir nutzen, um Höhenmeter im Abstieg zu sparen. Zwei Wege führen zur Bergstation. Der vom Veranstalter vorgeschlagene Weg führt ziemlich steil über eine klettersteigähnliche Passage. Dafür müssten wir wieder zurück in Richtung des Jubiläumskreuzes. Eine zweite Abstiegsmöglichkeit verläuft genau entgegengesetzt über den Jägersteig.

In Anbetracht von aufgezogenem Nebel, stürmischem Wind und leichtem Regen/Graupel entscheiden wir uns für die zweite Variante, die auch als leichter aber länger beschrieben ist. Uns bleiben etwa zwei Stunden für veranschlagte 1,5 Stunden – bei normalen Bedingungen. Also verlassen wir die Terrasse des Gipfelhauses und gehen gleich ein paar Stufen hinab. Kurz danach geht der Schotter in Erde über, die schmierig ist und wenig Halt bietet. Das Kitzbüheler Horn und sein Sendemast verschwinden immer mehr im Nebel, auch wenn unser Abstieg zunächst nicht sonderlich schnell geht. Der Wind zerrt an uns und der feine Regen peitscht uns in Gesicht.

Wir können zwar nicht sonderlich weit schauen, dennoch erleben wir in den nächsten Minuten etwas, das uns bisher in unserer kompletten ‘Bergkarriere’ verwehrt geblieben ist: Murmeltiere nicht in sicherer Entfernung, sondern direkt neben dem Weg. Die Jungtiere machen überhaupt keine Anstalten, in ihren Bau zurückzukehren. Wer schaut jetzt wen an? Also wir können uns nur sehr schwer losreißen. Der Anblick ist einfach zuuuuu süß. Aber die Zeit drängt uns leider zum Weitergehen.

Es wird knapp

Die nächsten Meter bewegen wir uns buchstäblich am Abgrund. Denn links von uns geht es tief hinab. Das können wir trotz der widrigen Umstände erkennen. Aber wir müssen weiter. Über Stufen und Blöcke verläuft der Weg und lässt uns schnell an Höhe verlieren. Zum Glück biegt der Weg nach rechts in sicheres Gelände ab. Das Wetter wird auch ein wenig besser, und wir können uns die Suche nach dem weiteren Verlauf des Weges machen – denn Schilder fehlen.

Ein einzelner prägnanter Baum auf der offenen Weidefläche zeigt eine Weggabelung an. Rechts geht es weiter bergab. Links quert der Weg die Ausläufer der Kitzbüheler Horns. Auch ohne Schilder wählen wir den linken Weg – unsere Orientierung reicht dafür noch. Der folgende enge Pfad führt durch knie- bis hüfthohen Gestrüpp. Mit dem Verschwinden der tiefliegenden Wolken wird hier auch ein Ausblick auf die vor uns liegenden Orte, Berge und Täler möglich. Wir eilen aber weiter, denn die Zeit zum Erreichen der Bahn wird knapp.

Auf halber Strecke treffen wir einige der seltenen Wanderer. Sie nehmen uns schlagartige unser Gefühl, noch rechtzeitig die Bergbahnstation erreichen. Ihrer Meinung nach brauchen wir noch 45 Minuten bis zum Ziel bei verbleibenden 30 Minuten. Vielleicht ist es die Gewissheit, es nicht zu schaffen, die uns nun entspannt weiterwandern lässt. Wir genießen die Landschaft. Schauen hinauf zum Kitzbüheler Horn. Und machen uns Gedanken wie wir dann weiter absteigen.

Zu unserer Überraschung erreichen wir die Bergstation der Harschbichlbahn doch noch rechtzeitig um 15:55 Uhr. Zugegeben: den letzten Aufstieg keulen wir dann schon ganz schön. Aber was zählt ist, dass wir da sind. Außer Atem kaufen wir unsere Fahrkarte und berichten Bahn-Mitarbeiter von unserem schnellen Abstieg. Der antwortet nur: “Aber wir fahren doch bis 17 Uhr. Im Internet steht was Falsches…Das hat letzte Woche schon einmal ein Gast erzählt.” Irritiert aber zufrieden steigen wir in die Bahn und gondeln nach St. Johann in Tirol. Von dort startet morgen unsere letzte Etappe.

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