Bergsehnsüchtig

Draußen unterwegs

Allgäu: Das 1. Mal auf Herrgottsbeton

Panoramawege sind langweilig und etwas für Sandalentouristen. Das ist – häufig zurecht – ein verbreitetes Vorurteil. Das gilt aber nicht für den Weg über den Hochgrat, der höchsten Erhebung der Nagelfluhkette. Er hat seinen Namen verdient, bietet grandiose Ausblicke auf sämtliche Gipfel des Allgäus. Und bei guter Sicht sind sogar der Bodensee und der Säntis in der Ferne auszumachen. Für mich persönlich ist es so ein Panoramaweg zudem eine gute Möglichkeit ein neues Wandergebiet kennenzulernen.

Nostalgische Hochgratbahn

Los geht es mit der Hochgratbahn bei Oberstaufen. Es ist nicht eine dieser modernen Bergbahnen, die viele Wanderer bequem auf den Gipfel bringen. Die Bahn und ihre Kabinen haben etwas Heimeliges und versprühen den Charme vergangener Zeiten – mit kleinen Kabinen und geringem Tempo. Was nicht negativ ist. Denn so hat man genügt Zeit die herrliche Landschaft zu genießen und bezahlt auch nicht soviel. Und selbst das kann man sich sparen, denn von der Talstation führen mehrere Wege nach oben. Da wir das erste Mal da sind, gönnen wir uns den Luxus und fahren hinauf.

Oben angekommen, empfängt uns gleich ein wunderbares Panorama und das Geräusch, das uns den ganzen restlichen Tag begleiten wird: das Bimmeln unzähliger Kuhglocken.

Einsamkeit…und eine Menge Kühe

Wir halten uns an der Bergstation gar nicht lange auf, treten hinaus und steigen links steil bergan. Das Ziel: der Hochgrat. Nach etwa 15 Minuten sind wir schon oben. Ein prägnantes Kreuz zeigt den Gipfel auf 1.834 Metern an und Bänke darunter laden zum Verweilen und Bestaunen der Allgäuer Berge ein. Da wir früh genug dran sind, bekommen wir sogar Plätze. Doch wir ruhen uns nicht zu lange aus. Wir haben schließlich bisher noch nicht so viel geleistet. Also: Weiter geht es auf der Nagelfluhkette in Gelchenwanger Kopf und Rindalphorn. Teilweise steile Abstiege auf lockerem Untergrund, Grasflanken zur einen und harten Abrißkanten zur anderen Seite bilden den Weg. Die Aussichten sind zudem zu jedem Zeitpunkt großartig. Deshalb brauchen wir auch länger als eigentlich geplant. Schließlich wollen wir alles sehen. Und so erreichen wir die Brunnenauscharte erst nach etwa einer Stunde. Bis hierhin begleiten oder begegnen uns nur sehr wenige Wanderer. Kein Vergleich zu anderen Gegenden im Allgäu.

Staufner-Haus: Ein Traum von einem Kaiserschmarrn

An der Scharte verlässt der Panoramaweg die Nagelfluhkette schon wieder und biegt in Richtung Gütlesalpe ab. Von hier an wird der Weg technisch leichter und noch einsamer. Nur zahlreiche Kühe begleiten uns weiterhin. Sie blockieren von Zeit zu Zeit sogar den Pfad.

Nach der Alpe müssen noch einmal ‘Meter gemacht werden’ – Höhenmeter. Ein kurzer, dafür umso steilerer Anstieg – teilweise auf Rasenkantensteinen – bringt uns fast wieder auf die Höhe der Bergstation. Nach einer weiteren Stunde kommt die schon wieder in Sichtweite. Je näher wir dann der Station kommen, desto höher die Zahl der Menschen, die unterwegs sind. Deshalb fahren wir auch nicht gleich hinab, sondern gehen noch zehn Minuten weiter. Denn dort wartet mit dem Staufner-Haus eine tolle Hütte mit großer Terrasse und großartigen (Dinkel-)Kaiserschmarrn. Diese Mehlspeise allein wäre einen Beitrag wert. Worte können ihn trotzdem nicht beschreiben. Hingehen und ausprobieren. Er lässt sogar die hier doch vorkommenden Spaziergänger vergessen.

Fazit: Ein toller (Panorama-)Weg in einem wunderschönen Wandergebiet mit Ausblicken so weit das Auge reicht und unvergleichlicher Einkehr zum Abschluss.

Nachtrag: Die damaligen Pächter des Staufner-Hauses sind nun im Prinz-Luitpold-Haus aktiv. Wie es sich mit den Kaiserschmarrn nun hier wie dort verhält, konnte ich noch nicht testen.

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