Bergsehnsüchtig

Draußen unterwegs

Tag 4: Was für Ausblicke – Zillertal, Rofangebirge, Karwendel…

Bevor es heute so richtig losgehen kann, steht einmal mehr die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel an. Ok, so ist diese Alpenüberquerung defintiv nicht ‘by fair means’, aber man erreicht schneller die wirklich schönen Orte. Wir fahren zunächst von Maurach nach Fügen im Zillertal. Da wir dort die Ausrüstung eines Wandergruppenmitglieds – mittlerweile sind wir nicht mehr zu Zweit unterwegs – mit einem Update versehen müssen, starten wir relativ spät die eigentliche Tour. Dafür nutzen wir die Spieljoch-Bahn. Kostet zwar ein bisschen was. Dafür sparen wir uns über 1.200 m Aufstieg.

Die Bahn spuckt uns und einige weitere Touristen auf 1.858 m aus. Man merkt auch hier: Wo eine Bahn ist, sind viele Menschen. Aber das ist keine neue Erkenntnis. Als erstes Ziel erklimmen wir das Gipfelkreuz des Spieljochs. Keine allzu große Herausforderung. Wir verweilen hier eine ganze Zeit. Denn die Aussicht auf das Zillertal und die umliegenden Berggipfel ist einfach atemberaubend und wir können uns nicht satt sehen. Die Wolkentürme im Südosten – es sind Gewitter angesagt – lassen uns dann aber doch aufbrechen. Was folgt, ist ein kurzer, aber knackiger Aufstieg. Und mit jedem Meter, den wir uns vom Gipfelkreuz entfernen, desto ruhiger wird es.

Wir queren jetzt auf einem schmalen Pfad die Flanke von Kreuzjoch/Kellerjoch/Metzenjoch. Der Boden ist weich. Die Wiesen um uns herum sind satt grün. Ein leichtes Lüftchen weht. Die Sonne wärmt. Von Weitem hört man ein paar Kuhglocken. Und keine Menschenseele ist unterwegs. Jetzt werden wir für unseren späten Aufbruch belohnt und genießen.

Abstieg zum Gartalmhaus

Nach etwa einer Stunde mit entspanntem Auf und Ab beginnen wir mit dem Abstieg zur Jausenstation Gart Alm. Soviel sind wir noch nicht gelaufen, dennoch kehren wir in der urigen Hütte ein. Gut gestärkt machen wir uns anschließend auf den weiteren Weg. Schon nach kurzer Zeiterleben wir die größte Überraschung der ganzen Überquerung. Ponys. In unterschiedlichen Farben. Tupfen wie Dalmatiner hat sogar eines. Allen gemein: Sie grasen ganz entspannt und lassen sich von uns überhaupt nicht stören. Wir steigen weiter ab. Das nächste Teilstück endet auf dem Loassattel. Bis dahin gehen wir durch offenes Gelände und manchmal lichten Bergwald. Die anfängliche Schönheit dieser Etappe setzt sich auch jetzt fort.

Den Loassattel erreichen wir nach etwa einer weiteren Stunde. Hier begrüßen uns zahlreiche Weiderinder. Auch ein paar andere Wanderer – Überquerer, die wir schon kennen und Tagestouristen – begegnen uns hier. Gründe sind sicherlich der Alpengasthof Loas und dessen gute Erreichbarkeit, beispielsweise aus Schwaz, sowie die zahlreichen Tourenmöglichkeiten von hier. Diesmal kehren wir nicht ein. Es ist dann doch schon relativ spät und wir wollen entspannt weiterwandern. Auf dem Loassattel teilt sich der Weg. Es gibt zwei Möglichkeiten nach Hochfügen, unserem heutigen Tagesziel, zu gelangen. Einer führt auf einer breiten Forststraße – ohne Asphalt – zum Wintersportort. Der andere verlangt noch ein paar Aufstiegsmeter, die auf einem schmalen Pfad absolviert werden wollen.

Ausblicke ins Zillertal

Wir wählen die erste Möglichkeit. Weil es schon recht spät ist – wie bereits erwähnt. Und weil wir vor lauter netten Unterhaltungen den Abzweig verpassen beziehungsweise ihn nicht als solchen wahrnehmen. Das liegt aber nicht an der weiterhin vorzüglichen Ausschilderung, sondern an unserer Ablenkung. Dass es noch einen zweiten Weg geben muss, merken wir ein paar Minuten später als wir oberhalb andere Wanderer entdecken. Zum Umkehren ist es dann aber zu spät. Eine schlechte Wahl haben wir aber auch nicht getroffen. Denn unser Weg verläuft fast parallel zum Steig, bietet die gleichen tollen Ausblicke ins Zillertal und ist nicht ganz so anstrengend. Zudem hat uns auch hier die ganze Zeit die Zivilisation nicht gestört: keine Wanderer, Biker, Autos oder dergleichen.

Als wir dann am späten Nachmittag Hochfügen erreichen, treffen wir gleich an paar weitere Überquerer. Wir sind also richtig. Was sich für uns ‘Flachlandtiroler’ nicht richtig anfühlt: Hochfügen scheint im Sommer zu schlafen und nur auf die Wintersaison zu warten. Bis auf zwei, drei Übernachtungsmöglichkeiten für Wanderer/Überquerer ist alles zu. An manchen Stellen wird gebaut. Aber überwiegend wirkt der Ort wie ausgestorben. Verwirrend. Das Hotel ist dann toll, aber wir sind auch froh, morgen hier wieder weg zu sein.

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