Bergsehnsüchtig

Draußen unterwegs

Allgäu: Über den Älpelesattel ins Oytal

“Willst du Gott zum Lachen bringen, mache einen Plan.” So kann man die Umstände im Vorfeld dieser Tour zusammenfassen. Eigentlich wollten wir diese Tour zum Älpelesattel im Rahmen des Zämed-Duss-Festivals in Oberstdorf machen. Hat leider nicht geklappt. Wobei, so traurig waren wir im Nachgang gar nicht, denn so waren wir fast alleine und das Wetter um Längen besser.

Start in Spielmannsau

Los ging es früh Morgens mit dem Bus ins Trettachtal. Spielmannsau war das Ziel und gleichzeitig der Start unserer Tour. Über den Rautweg stiegen wir zunächst nach Gerstruben auf. Der Weg führt durch dichten Mischwald erst leicht, später etwas steiler bergan. Die Luft an solchen Frühherbsttagen ist besonders frisch und rein. Sie ‘lädt’ aber auch dazu ein, einen Schritt schneller zu laufen, um nicht zu frieren. Und so erreichen wir nach etwa einer Stunde auch das alte Bergbauerndorf Gerstruben. Erst einmal Frühstück.

Die Sonne steigt immer mehr über die umliegenden Gipfel. Und weitere Wanderer kommen an. Doch zu so früher Stunde ist dieser touristische Hot-Spot geradezu einsam und ausgestorben. Nachdem wir uns gestärkt haben, passieren wir die alte Marienkapelle und gehen weiter den Dietersbach entlang. Erst durch eine wunderschöne Allee. Nach deren Ende ohne Schutz gegen die stärker werdende Sonne. Vorteil: Die Berge ringsum können ohne Einschränkung bestaunt werden. Der Weg an sich ist unkompliziert. Es ist ein Forstweg/Schotterweg, der zur Versorgung der Dietersbachalpe dient. Die Alpe ist eine der ältesten Sennalpen des Allgäus.

Idyllisch gelegene Dietersbachalpe

Nach etwa einer Stunde kommen wir an der Alpe an und genießen eine gemütliche Einkehr mit köstlichem hausgemachten Kuchen. Unsere Stärkung für den nun folgenden knackigen Aufstieg zum Älpelesattel. Am Fuße ist der Weg noch breit. Doch schon bald wird er immer enger. Ausweichen ist fast nur an den zahlreichen Kehren möglich. Es geht über Wurzeln und teils hohe Tritte. An manchen Stellen hat sich der Weg tief in den Hang gegraben, sodass sich mehr als hüfthohe Erdwände auftürmen. Wir schwitzen. Der Weg ist fordernd. Doch er macht echt Spaß. Und die Ausblicke durch Büsche und Bäume auf den Kegelkopf gegenüber, den Talschluss mit Rauheck und Kreuzeck und die Höfats zu unserer Linken machen die Tour zu einer besonderen. Der Dietersbach und die gleichnamige Alpe verschwinden immer mehr im Tal.

Kurz vor dem Älpelesattel – etwa eine Stunde sind wir gegangen – eröffnet sich uns ein atemberaubender Blick auf die gegenüberliegenden ‘Kleiner Wilder’, ‘Nördliches und Südliches Höllhorn’. Wir können uns gar nicht satt sehen – an Fels und stahlblauem Himmel. Kurz danach erreichen wir den Älpelesattel und verharren hier eine Weile. Schauen auf Höfats und Rauheck. Und das ganz allein. Ein grandioses Fleckchen Erde.

Vom Älpelesattel ins Oytal

Von jetzt an geht es nur noch bergab. Und man merkt den Regen der zurückliegenden Tage. Denn die steilen Pfade sind teilweise recht schmierig und wir müssen aufpassen, nicht auszurutschen. Sie verlaufen zwischen Alpenrosenhecken, über Gesteinsbrocken, durch einen kleinen Bachlauf, den wir queren. Dabei kommen uns immer noch sehr wenige andere Wanderer entgegen. Dafür laufen wir geradewegs auf die Käsealpe im Oytal zu. Hier sind jetzt mehr Wanderer und Biker. Wir lassen die Alpe aber links liegen und gehen auf einem einfachen Fahrweg in Richtung Oberstdorf. Die Landschaft ist weiterhin atemberaubend schön. Die Bäume am Wegesrand tragen bunte Blätter. Man sieht und merkt den Herbst. Denn unmittelbar nachdem wir aus der Nachmittagssonne treten, wird es merklich kühler. So halten wir uns auch nicht lange am Stuibenfall auf. Außerdem wartet noch ein besonderer Spaß auf uns.

Mit dem Roller zurück

Technisch gesehen ist das letzte Stück zu Fuss unspektakulär. Bis zum Oytalhaus führt der breite Fahrweg mal über Schotter, mal ist er asphaltiert. Wir lassen die Gutenalpe links liegen und erreichen das Oytalhaus gegen 16 Uhr. Nach einer kurzen Einkehr suchen wir uns die fahrbaren Untersätze für die Rückkehr nach Oberstdorf aus. Es sind die berühmten Oytalroller. Wir sind schon einmal vor ein paar Jahren mit den Rollern gefahren. Es ist aber auch dieses Mal ein großer Spaß die letzen sieben Kilometer der Tour rollend zu absolvieren – ansonsten wäre es ein sehr unspannender langer Hatscher gewesen. So fahren wir durch wunderschöne Landschaft, an den Skisprungschanzen entlang und kommen nach etwa einer halben Stunde Fahrt (wir haben uns Zeit gelassen) an der Abgabestelle gegenüber der Nebelhorn-Talstation an.

Eine tolle Tour mit vielen Höhepunkten und einem besonderen Spaß am Ende!

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