Bergsehnsüchtig

Draußen unterwegs

Südtirol: Zur Inneren Falkomai im Ultental

Südtirol ist schön. Südtirol ist überlaufen. Es gibt nichts mehr zu entdecken. Doch das stimmt nicht. In der Nähe von Meran kann man noch seine Ruhe haben und unerwartetes entdecken. Wo? Im Ultental als eines der urtümlichsten Täler in Südtirol. Es kann nur über eine sehr kurvige Straße erreichen werden, denn es ist umschlossen von den über 3000 m hohen Ultner Bergen, die zu den Ortler-Alpen gezählt werden. Uns hat es nur durch Zufall ins Ultental verschlagen. Denn Touristenmassen durchkreuzten unsere ursprünglichen Pläne. Im Nachhinein sind wir dankbar, weil wir unter normalen Umständen nicht dieses tolle Tal entdeckt hätten.

Hilfe vom Tourismusverein Ultental

Unvorbereitet wie wir waren, sind wir gleich ins erste Tourismusbüro in St. Pankraz gegangen, um uns ein paar Informationen und Tourenvorschläge abzuholen. Und wir wurden nicht enttäuscht. Eine nette Mitarbeiterin hat uns gleich mehrere Touren vorgeschlagen. Wir haben uns für die etwas mehr als 13 Kilometer lange Tour zur Inneren Falkomai entschieden. Um zum Start zu gelangen, mussten wir zunächst noch ein ganzes Stück weiter ins Tal hineinfahren. In St. Walburg verließen wir dann die Hauptstraße. Von nun an wurden die Straßen von Kilometer zu Kilometer vor allem: enger, steiler und verlassener. Irgendwann folgte dann der Abzweig zur Kirche St. Helena. Unweit dieses 1338 erstmals urkundlich erwähnten Gotteshauses gibt es einige PKW-Stellplätze. Wir ergattern den letzten.

Erster Halt: Mariolberger Alm

Wir starten auf einem breiten Forstweg in Richtung Mariolberger Alm. Wir erreichen sie nach einer knappen halben Stunde ohne dass der Weg sonderlich anstregend war. Dafür zeigt sich das Ultental schon jetzt von seiner besten Seite: tolle Ausblicke und Einsamkeit. Nur sehr wenige Wanderer begegnen uns.

Doch unmittelbar danach steigt der Weg merklich an und wird anspruchsvoller. Er gleicht nun mehr einem breiten, weglosen Pfad, der sich am Lauf des Kirchenbaches orientiert. Dieser wird auch ein paar Mal passiert. Das Wasser des Baches ist kalt und erfrischend. Es speist auch kräftige Grün um uns herum. Die Sonne kommt auch noch heraus und löst letzte Wolkenfetzen um die umliegenden Gipfel auf. Es ist wirklich schön hier.

Steiler Aufstieg zur Alm

Wir passieren unterhalb die Äußere Falkomai Alm. Und schon kommt die Alm der Inneren Falkomai ins Blickfeld. Aber nicht auf gleicher Höhe. Vorher müssen wir noch einen steilen Aufstieg bewältigen. Leider. Denn eigentlich haben wir Hunger und freuen uns auf eine zünftige Einkehr. Die folgende halbe Stunde bis zur Alm ist dann sehr ruhig. Wir wollen nur noch ankommen.

Auf 2.051 m angekommen, werden wir entschädigt: mit einem grandiosen Weitblick bis nach Bozen und großartigen Kaspress-Knödeln. Wir verweilen ein bisschen, bevor wir uns wieder auf den Weg machen. Zunächst auf dem Versorgungsweg der Alm. Er macht uns glauben, dass der Rückweg entspannt dahingehen wird. Doch weit gefehlt.

Erst leichte Kraxelei…dann: eine andere Welt

Nach einer Viertelstunde steigt der Weg noch einmal merklich an. Um dann am Scheitelpunkt eine besondere Überraschung bereitzuhalten: Kraxelei. Und das, obwohl der Versorgungsweg weitergeht, verläuft der die eigentliche Route auf einem breiten Grat. Doch um diesen zu erreichen, ist ein wenig Handeinsatz nötig. Was richtig Spaß macht. Eine willkommene Abwechslung.

Oben angekommen, verbreitert sich der Grat merklich. Eine Jagdhütte taucht auf. Eine Bank auf einer Blumenwiese lädt zum Rasten ein. Und die Ruhe – nur ein paar Vögel hört man aus den hohen Nadelbäumen – auf diesem Fleckchen Erde zwingt uns zum Pause machen. Es ist fast schon kitschig, aber etwas ganz Besonderes, das wir so nicht erwartet haben.

Ein paar Minuten lassen wir das alles auf uns wirken. Genießen. Leider müssen wir schon bald weiter. Es ist später Nachmittag. Auf weichem Waldboden, über Wurzeln, geht es nun teilweise recht steil bergab.

Am Auto angekommen, sind wir froh, dass die Touristenmassen unsere Pläne durchkreuzt haben. Denn ansonsten hätten wir das Ultental wahrscheinlich nicht entdeckt.

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