Schon von weitem ist es sichtbar: das weitgehend isoliert stehende Bergmassiv der Kanisfluh. Richtig gelesen: Bergmassiv, denn die Kanisfluh ist nicht ein Gipfel. Es sind gleich mehrere, die zusammen ein Bergmassiv bilden, das den zentralen Bregenzerwald prägt. Der Weg zum Gipfelkreuz ist aber steil, jedoch belohnt das 360°-Panorama für Schweiß und hohen Puls.
Start-/Endpunkt:
Parkplatz am Alpengasthof Edelweiß am Öberle
Anspruch:
Mensch – mittel // Hund: mittel
Tour:
Hin- =Rückweg | 5,5 km | 4 h inkl. Pausen
Einkehr:
Alpengasthof Edelweiß am Öberle
Wir starten vom Parkplatz unterhalb des ‚Alpengasthofs Edelweiß am Öberle‘. Dort, am Fuß der Kanisfluh, sehen wir sofort unser heutiges Tagesziel. Und die Aussicht wird uns den ganzen Tag nicht mehr verlassen. Verlaufen ist also unmöglich. Zunächst lassen wir den idyllisch gelegenen Berggasthof links liegen und beginnen mit unserem Aufstieg. Der Weg teilt sich; wir nehmen den rechten Pfad. Links gleicht eher einer Forststraße und führt aber mit einem kleinen Umweg auch zur Kanisfluh.
Unser Pfad führt uns durch ein Drehkreuz auf Weidegebiet. Nach den Erlebnissen bei unserer Wanderung zum Sünser See sind wir etwas angespannt. Doch erst einmal hören wir nur die Glocken der zahlreichen Kühe, die weiter entfernt grasen oder in der Sonne liegen. À propos Sonne: die scheint von einem wolkenlosen Himmel herab und da wir über eine Weide wandern, spendet auch kein Baum oder Strauch Schatten. Schnell führt uns der unkomplizierte Pfad nach oben. Das Panorama ist schon jetzt einfach ein Traum – dabei wissen wir noch gar nicht, wie schön es oben sein wird.
Es wird richtig steil
Wir durchschreiten die erste Weide. Wir reden kein Wort. Stattdessen gehen schnell voran, um durch näher kommenden Kühe zu marschieren. Nicht nur die Tiere fordern unsere Aufmerksamkeit, sondern auch der Pfad. Auf größere und kleinere Steine müssen wir genauso achten wie auf Wurzeln und Stufen. Ein schöner Weg. Den wir bald auch entspannter genießen können, da wir die erste belegte Weide verlassen.
Nach ein paar Kehren und folgt eine kleine Klettereinlage – ja die gibt es auf dem normalen Weg tatsächlich, denn er führt über ein felsiges Stück, das mit einem dicken Tau und ein paar Stufen leicht entschärft wird. Jedoch fordert dieses Teilstück uns, andere Wanderer und die Hunde, die wir sogar ein kleines Stück heben müssen, damit sie den Rest aus eigener Kraft schaffen.
Wenig später betreten wir wieder eine belegte Weide. Doch diesmal werden wir nicht so vorgehen können wie am Anfang, denn die Weide ist nicht nur wesentlich größer, sondern der Pfad zur Kanisfluh ist jetzt wesentlich steiler und stellenweise ausgewaschen. Außerdem müssen wir auf- und absteigenden Wanderern ausweichen. Es ist also schlicht nicht möglich, schnell zu wandern. Dennoch kommen wir gut voran.
Bedrohliches Kuhgeläut
Genau zu diesem Zeitpunkt hören wir leicht rechts oberhalb von uns, dass einige Kuhglocken ihr kontinuierliches Läuten beenden. Sie ändern ihre Frequenz enorm. Heißt: Ihr Läuten wird intensiver und lässt darauf schließen: Da rennen Kühe – nicht weg. Sie bewegen sich in unsere Richtung. Uns rutscht das Herz in die Hose – anderen Wanderern aber auch. Zum Glück entscheiden sich doch noch, stehenzubleiben. Wir sehen zu, dass wir vorbeiwandern. Die nächste Zeit drehen wir uns immer mal nicht wieder um oder nutzen die Kehren des Weges, um die Herde zu beobachten. Je weiter wir uns entfernen, desto entspannter werden wir – wenig überraschend.
Jetzt haben wir endlich auch wieder Muße, das Panorama zu genießen. Wir schauen nach oben und sehen den Gipfel der Kanisfluh näherkommen. Es ist aber noch einiges zu gehen. Die Sonne brennt unerbittlich. Der Weg ist steil. Unsere komplette Wandergruppe schnauft. Wir bleiben immer mal wieder stehen – zum Luftholen und um entgegenkommende Wanderer passieren zu lassen. Auch wenn es recht früh am Tag ist, sind schon ziemlich viele Wanderer unterwegs.
Atemberaubendes 360°-Panorama
Dann wird das Gelände flacher und großflächig grüner. Denn wir erreichen den Vorgipfel. Von hier sind es noch eine Höhenmeter bis zum Gipfelkreuz. Wir setzen uns ins Gras und rasten schon hier, um die atemberaubende Aussicht zu genießen. Auf der einen Seite schimmert der Bodensee. Zur anderen erheben sich Allgäuer Hochalpen. Wir erkennen einige unserer absoluten Lieblingsgipfel. Ein toller Platz! Wir sind etwas Abseits sogar fast alleine.
Wir wollen dieses Panorama aber auch von ganz oben sehen. Über einen breiten Grasrücken marschieren wir Richtung Gipfelkreuz. Das letzte Stück zieht sich. Obwohl wir den höchsten Punkt sehen, kommen wir ihm gefühlt nicht näher. Letztendlich stehen wir nach einer gefühlten Ewigkeit am Ende des Weges unterhalb des Gipfelkreuzes – zusammen mit vielen anderen Menschen. Einsam ist man hier nicht! Trotzdem ist die Menschengruppe erstaunlich leise. Denn viele rasten, fotografieren oder genießen einfach das Panorama, an dem man sich nicht satt sehen kann. Man fühlt sich klein und erfürchtig! DAS war der Aufstieg definitiv wert. Wir sitzen lange hier. Die Runde schlafen nach ihrer Gipfelbelohnung und sammeln Kraft für den Abstieg.
Der Rückweg entspricht dem Hinweg. Glücklicherweise haben sich die zahlreichen Kühe zurückgezogen und liegen in der Sonne. Beim Abstieg haben wir deshalb keine Probleme und sind erstaunlich wieder ‚unten‘. Jetzt kehren wir ein. Das Alpengasthaus Edelweiß am Öberle (unbezahlte Werbung) ist unser Ziel. Der phänomenale Kaiserschmarrn setzt diesem tollen Tag die Krone auf.
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